Heimatmuseum: Ein Exponat erzählt seine spannende Geschichte

(HR) Im Heimatmuseum gibt es immer etwas Neues zu entdecken, auch wenn man schon einige Male dort gewesen ist. Hat man bei einem Gang durch das Museum an einem bestimmten Themenbereich ein besonderes Interesse, dann lohnt es sich darüber mit der Kuratorin Ilsa Oberbauer oder mit dem Team zu sprechen, um nähere Informationen auszutauschen. Jeder Bereich des Heimatmuseums ist einem Thema gewidmet und jedes Exponat hat seine eigene Geschichte.

 

Und eine Geschichte soll hier ausgebreitet werden.

 

Im „Flüchtlingszimmer“ des Museums steht eine Anrichte, die „Wiener Kredenz“ und in ihr ist ein vollständiges Küchenservice ausgestellt, dessen Geschichte besonders spannend ist.

 

Das Porzellan-Service besteht aus 16 Teilen und wurde in den 1920/1930er Jahren in der damaligen Tschechoslowakei hergestellt, wie die Markierung „MCP“ auf der Unterseite verrät. Alle Behältnisse sind in deutscher Sprache in einer gefälligen Schrift kursiv beschriftet. Auffällig hierbei sind die Schreibweisen von Zimt und Grieß, die hier mit „Zimmt“ und „Gries“ in der früheren Rechtschreibung dargestellt sind.

 

Um 1930 kam das schöne Service als stattliches Hochzeitsgeschenkt für ein deutsches Ehepaar in den

Banat nach Hatzfeld/Rumänien, nahe der Grenze zum damaligen Jugoslawien. Dort überstand das Service die Wirren des zweiten Weltkriegs, bis 1944 der Einmarsch der Roten Armee erfolgte. Aus Furcht vor der Beschlagnahme mauerte die Familie alle Serviceteile am Kamin ein.

 

Als Volksdeutsche war die Familie nach dem Krieg vielen Repressalien ausgesetzt und wurde innerhalb Rumäniens ans Schwarze Meer deportiert, um dort Land zu kultivieren. Erst Mitte der 1950er Jahre konnte die Familie nach Hatzfeld zurückkehren und erlebte dort ein Auf und Ab unter dem sozialistischen System von Regierungschef Nicolae Ceausescu. Mit dem damaligen Niedergang der wirtschaftlichen Verhältnisse Rumäniens wuchs der Druck auf die Volksdeutschen und die Familie begann ihre Flucht zu planen. Unter dramatischen Umständen gelang ihr 1983 die Überwindung der Grenze nach Jugoslawien und von dort die Übersiedlung nach Bayern. Der weitere Weg führte die Familie schlussendlich nach Karlsfeld.

 

Nun in sicheren Verhältnissen lebend, erinnerte sich die Familie an das eingemauerte Hochzeitsservice. Vertraute in der alten Heimat Hatzfeld – heute Jimbolia – wurden verständigt und fanden nach genauen Instruktionen das Service, vor Jahrzehnten eingemauert am Kamin. In den 1990er Jahren fand es auf dem offiziellen Weg zu seinen rechtmäßigen Eigentümern nach Karlsfeld und von der Familie dann später ins Heimatmuseum. Hier soll das Küchenservice den Besuchern seine Geschichte und noch mehr die wechselhafte Geschichte seiner Besitzer erzählen.

 

So hat im Heimatmuseum jedes Exponat seine Geschichte und dahinter steht immer noch die wichtigere Geschichte seiner früheren Eigentümer.

 

Das Heimatmuseum ist geöffnet am 1. und 3. Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr.

Weitere Informationen im Internet unter www.heimatmuseum-karlsfeld.de. 

 

 

Foto: Heimatmuseum Karlsfeld